Vor einigen Tagen ist mir das Buch "Drei Dichter ihres Lebens" von Stefan Zweig im wahrsten Sinne des Wortes entgegen gefallen (ich sollte wirklich mal wieder aufräumen) und abgesehen von der grauenhaften Frisur des Autors (der Schnauzbart sieht mir einen Tick zu nationalsozialistisch aus) bin ich zu dem Buch durchweg positiv eingestellt. Im Prinzip beinhaltet das Geschreibsel Kurzbiographien von Casanova, Stendhal (wer auch immer das sein mag) und Tolstoi (der die Theorie beweist, dass hinter jedem genialen Mann eine verdammt kluge und fleißige Frau steht).
Tolstoi an sich finde ich gar nicht mal so fürchterlich interessant, seitdem ich einen Radiobeitrag über seine Frau gehört habe. Die Dame ist wohl schon als junges Mädchen an ihn verheiratet worden, war aber immer schon sehr emanzipiert und gebildet gewesen und hatte anfangs sehr unter der allgemeinen Meinung zum Thema Frauen zu leiden. Schriftstellerisch tätig war sie auch selber und ihre Sachen waren wohl gar nicht mal übel, wurden aber von den Kritikern verachtet, weil sie eine Frau war. Mit zunehmendem Alter hat sie sich dann um die Organisation des Lebens ihres Gatten gekümmert und ihn im Hintergrund bei seiner Arbeit unterstützt. Auch die Beziehung zu Tolstoi war nicht so ganz einfach und einmal hat sie ihn sogar vorübergehend verlassen, er konnte sie aber wieder zurückgewinnen. Um ehrlich zu sein, beeindruckt mich die Frau des russischen Nationaldichters tatsächlich mehr als der berühmte Künstler selbst.
Doch nun zu meinem eigentlichen Thema,
Casanova.
=) Ich weiß nicht, ob das nur auf Zweigs Talent zurückzuführen ist, aber... als ich die Beschreibung Casanovas gelesen habe, ist mir ein Schauer den Rücken heruntergelaufen. Nein wirklich, wenn das Geschriebene auf Tatsachen beruht - und davon ist auszugehen - dann ist es kein Wunder, dass der Mann als Sinnbild eines... ja, als Sinnbild des Mannes schlechthin gilt. So wie er beschrieben wird, könnte man sich gut vorstellen, als Frau damals nicht viel standhafter geblieben zu sein. Man darf natürlich aber auch nicht vergessen, dass die Leute früher in Sachen Sexualität ohnehin nicht zimperlich waren, mit Sicherheit sogar noch freizügiger als heutzutage. Ich meine, die Halskrausenartigen Modeartikel hat es definitiv nur gegeben, damit keiner sehen konnte, dass die vornehmen Herrschaften Geschlechtskrankheiten wie Syphilis hatten. Man darf sich die damaligen Zeiten wirklich nicht so zugeknöpft vorstellen, wie sie im Geschichtsunterricht oft dargestellt werden.
Offenkundig dürfte Casanova ein Universalgenie gewesen sein: Jura, Theologie, Lotteriewesen, Schriftstellerei, Alchemie, Mathematik, Chemie, Theater, Physik, Sprachen... Der helle Wahnsinn! Eigentlich Verschwendung, dass er keinem dieser Bereiche so richtig nachgegangen ist. Ansonsten war er der Erste, der aus den venezianischen Bleikammern ausgebrochen ist, er lernte Päpste, Könige und bedeutende Musiker und Dichter seiner Zeit kennen, er unterhielt Freundschaften mit wichtigen Leuten in Politik und Wirtschaft.
So viel zur glorreichen Seite der Medaille. Der Mann war hoch syphilitsch, war bei Frauen längst nicht so wählerisch, wie man denken könnte (da waren auch alte, hässliche Frauen und Prostituierte dabei, so wahnsinnig romantisch ging das nicht zu)und war im Alter ein verdammt einsamer Mann. Seine gesamte Lebensphilosophie baute auf Jugend, Schönheit, Gesundheit und Lust auf und Moral war überhaupt nicht sein Ding. Am Ende seines Lebens war er ein schwer kranker Misanthrop und lebte in der Vergangenheit. Dass er - was seine Memoiren angeht - so produktiv war, liegt nur daran, dass Syphilis nicht nur das Gehirn zerstört, sondern zwischendrin auch einmal einen extrem klaren Kopf beschert. Na ja, und als extrem vereinsamter Mensch hatte er ja auch reichlich Zeit, zu schreiben.
So etwas wie eine große Liebe hatte er auch, deren echten Namen er niemals kannte. Das Leben hat die beiden wohl aber getrennt, sie blieb von da ab enthaltsam und er widmete ihr ganze Kapitel in seinen Memoiren.
Alles in allem ein ereignisreiches Leben mit einem sehr traurigen Ende. Ich weiß nicht, ob es wirklich erstrebenswert ist oder glücklich macht, so zu haushalten, aber ich glaube, ich wäre ihm damals auch verfallen. Ich meine, laut Biographie muss er ein wahnsinnig charismatischer Mann gewesen sein, noch dazu von grandioser Schönheit und unvorstellbarer Bildung! Er hat seine Frauen auch richtig gut behandelt und Wert darauf gelegt, sie glücklich zu machen. Verhütung war ihm jedenfalls sehr wichtig, was damals alles andere als selbstverständlich war. In Bildung, Intelligenz und Denken war er seiner Zeit einfach voraus.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
P.S.: Und wie sah Casanova aus? Guckst du hier!