Montag, 5. Juli 2010

Hat so was eine Daseinsberechtigung?

Weil ich gerade eine ziemlich unschöne Trennung hinter mir habe, die ich feigerweise auch noch per Mail durchgezogen habe, habe ich mich einmal schlau gemacht, wie man denn noch so Schluss machen kann. Da gab es seitenlange Ratgeber, wie es besonders einfühlsam oder respektvoll oder schmerzlos wäre - da gibt es aber noch die "moderne Methode". Darf ich vorstellen: Schluss machen LASSEN. Klingt fragwürdig und ist es auch, Begründung folgt.

Man muss sich das so vorstellen: eine Agentur ruft bei deinem Partner an und teilt ihm mit, dass du keinen Bock mehr auf ihn hast und warum es so weit gekommen ist. Oder diese Agentur schlägt persönlich auf, oder aber sie schreibt deinem künftigen Exfreund eine Mail. Es gibt auch einen Service, bei dem ein Leichenwagen vorfährt, um den Expartner abzuholen. Im mitgelieferten Sarg befindet sich dann ein "netter" Brief von dir. Eine andere Möglichkeit ist, dass du noch einmal Sex mit der betreffenden Person hast, schnell das Haus verlässt, und sobald du draußen bist, meldet sich die Agentur.

Das ist nur eine kleine Auswahl an Dienstleistungen, die solche Agenturen bieten, meistens zu Preisen zwischen 30 und 1000 Euro. Nun stellen sich mir zwei Fragen:

1. Warum kann man das alles nicht auch selbst organisieren?
Seien wir mal ehrlich. Was ist so schwer daran, selber eine Mail zu schreiben, etwas auf den Anrufbeantworter zu sprechen oder ein Video zu drehen? Sogar die ausgefalleneren Ideen lassen sich leicht selbst umsetzen, z. B. das mit dem Abschiedssex. "Hinterher" geht man einfach - und hinterlässt ein Tonband oder ein Video im Flur mit der Aufschrift "Bitte anhören, in Liebe so-und-so". Leichenwägen lassen sich auch billiger organisieren, man kann sich so gut wie alles nach Hause bestellen.
Daraus folgt: man muss nicht für teuer Geld irgendeine Agentur engagieren, denn das meiste lässt sich mit ein wenig Fantasie und Einfallsreichtum auch so organisieren.

2. Wie kann man nur auf die Idee kommen, sich dermaßen unsensibel zu verhalten?
Wenn ich einen Menschen einmal geliebt und respektiert habe, ist es das Mindeste, ihm die Chance zu lassen, würdevoll aus der Beziehung herauszukommen. Nein wirklich, da fehlen mir die Worte! OKAY, wenn ich einen Schläger an der Backe habe und Angst haben muss, nach Hause zu kommen, DANN bringt das Sinn. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass es Fälle gibt, in denen so eine Agentur eingreifen darf, kann und muss!

Also, im humanitären Bereich wäre so etwas ideal. Nehmen wir eine Frau, die auf der Flucht vor ihrem Schlägerfreund in einem Frauenhaus landet. Dieses Frauenhaus übernimmt dann kostenlos die Benachrichtungen an den Expartner und rechnet auch finanziell damit ab, weil es für die Frau viel zu belastend wäre. Quasi als Opferschutz, nicht als Racheakt.

Das Traurige ist bloß, dass diese Branche ganz groß im Kommen ist. Vor einem Jahr habe ich mal einen Fernsehbeitrag über eine solche Agentur gehört, und da hieß es, diese Firmen würden nur vereinzelt existieren. Wenn ich JETZT bei Google das Wort "Schluss machen" eingebe, finde ich bereits unter dem dritten oder vierten Eintrag eine "Trennungs-Institution".

In diesem Sinne,
die empörte Sojabohne.

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