Samstag, 19. September 2009

Wie man sich eine Schinkenstulle schmiert

Es gibt wirklich tausenderlei Arten, sich morgens eine Stulle zu schmieren, alle aufzuzählen, wäre Wahnsinn. Man kann aber davon ausgehen, dass es ganz vom Menschentypen abhängt, wie das gemacht wird, oder anders gesagt, man kann die Menschheit in verschiedene Stullenschmierertypen einteilen:

1. Der Sich-Selbst-Inszenierer
Dieser Stullenschmierer passt seinen Schmierstil ganz seiner Wirkungsabsicht an; wenn er z. B. ein Mädel aufreißen will, schmiert er besonders hingebungsvoll und dick, streichelt die Schinkenscheiben regelrecht beim auf-den-Toast-legen und beißt hingebungsvoll hinein. In diesem Fall wird der Schinken sanft mit dem Messer halbiert. Im Prinzip ist diesem Schmierer nicht zu trauen, da sein Stullenstil kein psychologische Analyse seiner Persönlichkeit zulässt. Vorsicht ist geboten!

2. Der Akkurate
Diesen Schmierer darf man auf keinen Fall mit dem Bausparer verwechseln. Die Art und Weise des Stullenbelegens ist zwar auf den ersten Blick ähnlich, jedoch sind die Motive vollkommen andere. Also, der Akkurate achtet peinlich genau darauf, dass der Schinken in keiner Form den Rand der Stulle überragt. Zudem darf die Butter nicht zu sehen sein und der Toast muss gleichmäßig gebräunt wirken. Wenn er die Schmierprozedur durchführt, darf er auf keinen Fall angesprochen werden, er ist hochkonzentriert! Der Zweck des Ganzen ist schlicht und einfach das Akkurate in sich selbst - quasi Ordnung um der Ordnung Willen. Der Akkurate ist derselbe Mensch, der z. B. die Filmtitel immer auf die gleiche Stelle der Videokassette klebt, nur damit das Ganze eine tiefere Ordnung hat. Auch hier ist Vorsicht geboten, denn bei der Änderung eines klitzekleinen Details in seiner kleinen Welt drohen eruptive Aggressionen! Ob dieser Ordnungszwang sich auch auf das Sexualverhalten des Akkuraten auswirkt, ist noch nicht hinreichend geklärt.

3. Der Bausparer
Ob dieser Schmierer auf ein eigenes Heim spart oder auf sonst etwas anderes, geht aus der Bezeichnung nicht hervor. Tatsache ist jedoch, DASS er spart, und das konsequent und radikal. Das äußert sich auch am Frühstückstisch: zunächst einmal wird die Stulle regelrecht VERtoastet, damit der vorhandene Strom auch optimalst ausgenutzt wird. Dann wird die Butter - sofern unser Bausparer kein Hardcore ist, die nehmen nur Margerine - nur segmentartig und ultradünn aufgetragen, auf dass der Fettaufstrich sich möglichst lange halte und nicht vor nächstem Monat neu eingekauft werden müsse. Der Schinken wird selbstverständlich mindestens halbiert, Hardcore-Sparer vierteln ihn sogar. Manche streuen noch eine Brise Salz auf das Streichfett oder zerquetschen einen Stips Avokado auf der Margerineoberfläche. Wie der Name bereits andeutet, geht es diesem Stullentypen ausschließlich darum, Geld zu sparen - bitte verwechseln Sie ihn nicht mit dem Akkuraten, auch wenn der Vergleich naheliegt! Obwohl es natürlich auch Mischformen gibt, quasi Baukurate oder Akkusparer. ;-)

4. Der Hau-weg-die-Scheiße
Dieser Menschentyp kann, muss aber nicht unbedingt unappetitlich sein. Auf alle Fälle vertritt er die Meinung "im Magen kommt eh alles zusammen", rülpst und schmatzt laut bei Tisch und klatscht so ziemlich alles auf die Stulle, was passt - oder eben auch nicht passt. Auch gegen McDonald's hat er nichts einzuwenden, denn die Warenherstellung entspricht weitgehend seinem Lebensmotto - siehe Typbezeichnung. Nun also, der H-w-d-S krallt sich zwei Toastscheiben, toastet sie gut durch - manche machen nicht mal das - und klatscht erstmal eine fette Ladung Senf auf beide Toastscheiben. Darauf kommt dann noch Schinken, Käse, Salami, Tomatenmark bzw. Ketchup und nicht zu vergessen die Remoulade. All das natürlich maßlos draufgepampt. Manche besitzen auch ein Spezialgerät, wo sie ihr Machwerk als Ganzes toasten. Wenn das Machwerk - ich liebe dieses Wort - dann fertig ist, werden mit leuchtenden Augen die Zähne in die Stulle gerammt. Vom Zustand des Mundes und der Zähne hinterher spreche ich lieber gar nicht erst. Und das Übelste an der Sache ist, dass der H-w-d-S eine solche Leidenschaft wirklich nur beim Essen an den Tag legt. Wurzeln bis hin zum Homo Neanderthalensis sind nicht ausgeschlossen.

5. Der Ausgeglichene
Dieser Schmierer ist eindeutig der angenehmste Zeitgenosse unter den bisher Genannten. Er verwendet nicht zu wenig Butter, aber auch nicht zu viel, nimmt nicht zu wenig Schinken, aber auch nicht zu viel, und wenn er nach dem Frühstück das Haus verlässt, sieht man es der Wohnung nicht an, dass hier eine Mahlzeit eingenommen wurde. Allerdings lässt sich hier ausnahmsweise kein Rückschluss auf die Persönlichkeit ziehen, denn die Spanne reicht von langweiligem-Spießer-mit-Bürojob bis zu repektvollem-höflichem-Gentleman. Auf alle Fälle handelt es sich um einen sehr dezenten Menschen, den man in den meisten Fällen einfach nicht nicht-mögen kann.

Freilich gibt es noch weit mehr Stullenschmierer, aber allmählich habe ich Muskelkater vom vielen Tippen, und das soll ja auch nur eine kleinere Auswahl sein. ;-)

In diesem Sinne,
die Sojabohne.

2 Kommentare:

  1. Hallo Sojabohne,

    genial, deine Blogs. Bin gespannt! Lg das Muttertier :)

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  2. Hallo Pinselhexe!

    Schön, dass du endlich technisch dazu in der Lage bist, Kommentare abzugeben. (Mann, klingt das geschwollen) ^^

    Danke danke, man tut was man kann. :-)

    Liebe Grüße, das Tochtertier

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