Darf ich vorstellen: mein neues Lieblingsbuch! =) Ich habe zu Weihnachten von meinen Eltern die englische Originalausgabe geschenkt bekommen und - wow! Ich bin kein Sprachexperte, aber die verwendeten Worte sind echt ausdrucksstark und von allen englischen Büchern, die ich bisher gelesen habe, ist dieses hier das beste. Die Sojabohne ist verliiieeebt. =)
Die Handlung ist in gewisser Weise grundböse. Also, ein Trupp englischer Schuljungen landen während einem Atomkrieg (oder so etwas in der Richtung) auf einer scheinbar unbewohnten Insel im Pazifik. Sie bestimmen einen Anführer, den sehr vernunftbegabten Ralph, und bilden eine Gruppe, die jagen soll, geführt von dem aggressiven Jack. Alles toll soweit, alle vertragen sich und halten täglich demokratische Versammlungen ab.
Aber mit der Zeit entfremden sich die Jungs in eine aggressive Jägerpartei und eine vernunftgesteuerte Partei, jeweils geführt von Ralph bzw. Jack. Es folgen eingebildete Monster, zwei nicht ganz versehentliche Morde und eine finale Hetzjagd auf die letzten Rebellen gegen die Jägertruppe, wobei bei der Gelegenheit mal eben die gesamte Insel in Brand gesteckt wird.
Ich weiß nicht, ob ihr "The Coral Island" kennt... Das ist ein Buch mit derselben Ausgangssituation, also einsame Insel usw. Hier allerdings handeln die Jungs uneigennützig und rücksichtsvoll, weil der Autor mit einem anderem Zeitgeist lebte. Damals war Großbritannien auf der Erfolgswelle, daher die Verherrlichung der "britischen" Ideale. Im Gegensatz dazu eskaliert die Situation in "Lord of the Flies" und die menschlichen Abgründe tun sich gnadenlos auf.
Ein Grundmotiv ist der tote Pilot, dessen Leiche im Wind hin- und hergetrieben wird und von allen für das Monster gehalten wird. Die Truppe um Jack bringt diesem Monster sogar ein Opfer dar, den Kopf eines erjagten Schweines, den "Lord of the Flies", wie es im Buch heißt. Man muss sich das so vorstellen, dass da ein Pflock mit einem verwesenden, von Fliegen umschwirrten und bekrabbelten Schweinekopf in der Erde steckt und hämisch grinst. Simon, der Philopsoph unter den Kindern, den keiner versteht, empfängt im Fieberwahn von diesem Saukopf die Botschaft, dass das Böse im Menschen für die Eskalation der Lage verantwortlich ist. Die Metapher passt, da "Herr der Fliegen" ein anderer Name des Teufels ist, und der Satan steht für das Böse. Wie auch immer, Simon enthüllt das Geheimnis, dass es kein Monster gibt, will Jacks Truppe aufklären - und wird selbst für das Viech gehalten und getötet.
Am Ende werden die gerade mal 6 - 12jährigen von einigen Militärs gefunden und "gerettet". Die Frage ist allerdings, ob das denn wirklich die Rettung ist, denn im Prinzip haben die Kinder ja nichts anderes getan als die Erwachsenen auch, nur eben in einem kleineren Rahmen. Krieg bleibt Krieg, ganz gleich, wer ihn führt.
Mehr will ich aber nicht verraten, nur so viel: es ist wirklich ein fantastisches Buch! Sehr gesellschaftskritisch, schonungslos und mit sehr interessanten Charakteren. Vor allem Jack, Piggy und Simon, Ralph ist eher langweilig, wie ich finde. Er ist doch im Grunde sehr gewöhnlich und richtet sich im Zweifelsfall bis zu einem gewissen Grad lieber nach der Meinung der Masse, statt sich dagegen zu stellen. So meidet er den unbeliebten Piggy konsequent, solange er nicht auf ihn angewiesen ist, als er jedoch sein einziger Verbündeter ist, bezeichnet Ralph ihn plötzlich als seinen Freund.
Piggy ist aber auch kein Engel, denn er verleugnet die offensichtliche Tatsache, dass Simons Tod eine Gewalttat war, kein Unfall. Er kommt jedoch nicht damit zurecht und bricht mit seinen eigenen Prinzipien, wonach Dinge immer als das gehandelt werden sollten, was sie sind.
Simon... Ja, Simon ist ein wahrer Heiliger. Er handelt komplett uneigennützig und zeigt keine Furcht bzw. empfindet keine. Er hilft den Kleineren und Schwächeren, birgt in sich keine "bösen" und tierischen Seiten, erkennt die Dinge, wie sie in ihrem tiefsten Innersten beschaffen sind, und er sieht seine Krankheit (Epilepsie) nicht als Hindernis, sondern überwindet immer wieder seine Grenzen. Er ist immerzu damit beschäftigt, an sich selbst zu arbeiten. Er ist der helle Wahnsinn, und dafür bezahlt er mit dem Leben. Tragische Sache. =(
Also, Leute, unbedingt lesen! =)
In diesem Sinne,
die begeisterte Sojabohne.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen