Ich frage mich ernsthaft, was diese Ich-hab-dich-lieb-Sagerei zu jedem noch so flüchtigen Bekannten für einen Sinn haben soll! Ich meine, klar, zu meinen sehr engen Freunden sage oder schreibe ich das schon ab und an, aber nur, wenn der Augenblick ein besonderer ist und es auch zur Art der jeweiligen Person passt. Es gibt einfach Leute, bei denen mir im Traum nicht einfiele, "ich hab dich lieb" zu sagen, ganz gleich, wie dicke ich mit ihnen bin.
Wenn ich mir dann so ansehe, wie locker viele in meinem Alter (aber auch Ältere) mit dieser Bezeichnung umgehen, dann... Na ja, so verkommt diese eigentlich ziemlich rührende und tiefgehende Aussage doch zu einer bedeutungslosen Floskel. Jemanden liebzuhaben ist doch eine höhere emotionale Ebene als ein simples Mögen. Ich mag die Leutchens aus der Jugendgruppe, zu der ich jeden Freitag gehe. Ich mag die meisten Menschen aus dem Schachverein, den ich leider nicht mehr so oft wie früher besuche. Vielleicht mag ich sogar noch meinen ehemaligen Freund auf eine gewisse Weise. Was ich damit sagen will, ist, dass es streng genommen nicht viel heißt, jemanden zu mögen, weil es nicht weiter schwer fällt, jemanden, den man nicht richtig kennt, gern zu haben. Wenn man in einem Mitmenschen hingegen lesen kann wie in einem Buch, auch seine schlechten Eigenschaften kennt und akzeptieren gelernt hat, und ihn noch immer gern hat, dann beginnt für mich erst dieses Liebhaben. Und wenn man wirklich ehrlich gegenüber sich selbst wäre, würde man zugeben, dass man verdammt wenige Menschen wirklich von Grund auf kennt und durchschaut.
Mit dem Lieben ist es genau dasselbe. Leute verlieben sich, sind ein paar Wochen zusammen und reden gleich von Liebe. Wer weiß schon wirklich, was der Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit ist? Um einen Menschen gut genug kennenzulernen, um ihn "richtig" lieben zu können, müsste man ihn doch jahrelang zum platonischen Freund haben, das denke zumindest ich. Keine Ahnung, warum man trotzdem das Bedürfnis hat, sich selbst vorzugaukeln, man wüsste, was diese "Liebe" wirklich ist.
Ist es, wenn man ohne den anderen nicht mehr leben kann oder will? Das ist Hörigkeit, Abhängigkeit. Ist es, wenn man den anderen unter allen Umständen glücklich sehen will? Das kommt auch unter Freunden vor. Ist es, wenn man den anderen bewundert und verehrt und nicht mehr die Augen von ihm lassen kann? Das ist Vergötterung. Oder alles zusammen? Das ist nicht mehr gesund.
Wenn ich recht darüber nachdenke, ist das, was ich unter Liebe verstehe, sehr egoistisch. Man will den Partner ja "behalten", "besitzen", man will nicht, dass er anderen Frauen hinterherschaut. Wenn er krank ist, will man natürlich, dass er wieder gesund wird, aber warum? Damit er wieder voll und ganz für einen da ist und es EINEM SELBST gut geht. Dabei sollte Liebe doch selbstlos sein und keine Ansprüche stellen, die einem selbst zugute kämen. Vielleicht wissen ja die meisten Menschen nicht, was Liebe ist und verwenden den Begriff völlig falsch, weil es nur ein Wort für etwas ist, das man einfach nicht erfassen und begreifen kann.
Insofern sind meine Hausmiezen direkt zu beneiden, weil sie sich um so einen Kram gar nicht erst Gedanken zu machen brauchen.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Sonntag, 31. Januar 2010
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