Der Tod ist etwas, das in unserer heutigen Gesellschaft - aber bestimmt auch immer schon - nicht als ernsthafte Bedrohung oder bedeutungsvolle Sache gesehen wird. Zumindest, solange man nicht direkt davon betroffen ist. Nun kann ich zu meinem Glück sagen, dass ich noch nie einen Todesfall in meiner Familie hatte, der mich wirklich berührt hätte. Aber vor ein paar Tagen habe ich etwas gesehen, das mir die Augen geöffnet hat.
Ich war mit meinen Leutchens am Strand unterwegs, und irgendwo dort lag ein totes Wildschwein, zum Glück noch nicht sehr lange. Es war ja auch noch einen Deut zu kalt, als dass es bereits verwesen hätte können. Auch die Maden hatten sich noch nicht daran zu schaffen gemacht, gelobt sei der Kühlschrankeffekt. Okay, das soll's dann gewesen sein mit den ekligen Details. =)
Tja, und dieses Tier hat mir tatsächlich zu einer ganz anderen Sichtweise verholfen. Es ist nicht leicht zu beschreiben. Das Viech sah aus, als hätte es nie wirklich gelebt, als würde die Seele, der Geist oder was auch immer fehlen. Als würde das Leben an sich in ihm fehlen. Man hätte meinen können, es sei nur eine kunstvoll gestaltete Hülle von etwas. In diese Gedanken versunken wurde mir erst klar, warum uns Menschen lebendige Dinge lebendig erscheinen: es ist der innere Antrieb, der uns zur Bewegung treibt, der Glanz in den Augen, die Reflexe, die dem Kunstwerk Körper den optischen Inhalt geben. Und wenn dieser Inhalt dann fort zu sein scheint, wird uns erst richtig klar, dass vorher etwas in dem Körper drin gewesen muss. Dieses Etwas nennt der Mensch dann Seele.
Bloß, wohin verschwindet die Seele, wenn das Wesen stirbt? Vermutlich dahin, wo sie auch hergekommen ist. Und wo kommt sie her? Okay, schauen wir mal im antiken Griechenland vorbei: damit der Mensch, also sein Abbild, leben konnte, musste Athene ihm erst den Lebensatem einblasen. Und im Christentum? Da haben wir wieder die Seele, die am Ende aufersteht und entweder zu Gott oder zum Teufel fliegt. Mal ehrlich, diese ganzen Zusammenhänge werden doch erst verständlich, wenn man nachvollziehen kann, wie die Leute überhaupt darauf kommen, dass da etwas wie eine Seele ist.
Na ja, nach der Entdeckung dieses Tieres war die allgemeine Stimmung natürlich eher gedämpft und der Rest des Nachmittags verlief eher still und melancholisch. Schade, definitiv schade. Aber hey, wieder mal etwas dazugelernt. =)
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
P.S.: Mein Väterchen meinte, es sei mittlerweile eklatant, dass die Verabschiedung immer dieselbe sei. Das nehme ich zur Kenntnis und ich gelobe auch Besserung, jedoch fällt mir keine andere ein. Also, wer auch immer bisher noch dachte, ich hätte es noch nicht gewusst, der sei jetzt belehrt, dass die Sojabohne einfach nur zu unkreativ ist, was Besseres zu schreiben. ;)
Sonntag, 28. März 2010
Donnerstag, 25. März 2010
Schönheitskönigin
Die Sojabohne hat mal wieder was gedichtet. =) Eigentlich hat dieses Gedicht keinen gedanklichen "Ursprung", aber es gibt Leute in meinem Bekanntenkreis, die damit den Begriff "Topmodel" verbinden. Na ja, jedem seine Interpretation. =)
SCHÖNHEITSKÖNIGIN
Sie schwebt hinein ins Zimmer,
lächelt gütig. Elegant
gleitet sie so stolz wie immer
in ihre Haltung. Ihr Gewand
wirft keine Falten, alles passt.
Sie fühlt hinein in ihre Schönheit.
Sie ist perfekt, zumindest fast.
Sie braucht nicht Hilfe, nicht Geleit.
Sie weiß, sie wird begehrt,
wird gewollt und will doch keinen.
Sie bricht Herzen, wird verehrt,
will nicht lachen, kann nicht weinen.
Die Gegenwart ihr Element,
das Altern ihre Not.
Sie weiß, dass nur die Zeit sie trennt
von Einsamkeit und Tod.
Sie ist ein reines Phänomen,
geboren als Symbol.
Ihre Schönheit wird vergehn,
UNS bleibt sie als Idol.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
SCHÖNHEITSKÖNIGIN
Sie schwebt hinein ins Zimmer,
lächelt gütig. Elegant
gleitet sie so stolz wie immer
in ihre Haltung. Ihr Gewand
wirft keine Falten, alles passt.
Sie fühlt hinein in ihre Schönheit.
Sie ist perfekt, zumindest fast.
Sie braucht nicht Hilfe, nicht Geleit.
Sie weiß, sie wird begehrt,
wird gewollt und will doch keinen.
Sie bricht Herzen, wird verehrt,
will nicht lachen, kann nicht weinen.
Die Gegenwart ihr Element,
das Altern ihre Not.
Sie weiß, dass nur die Zeit sie trennt
von Einsamkeit und Tod.
Sie ist ein reines Phänomen,
geboren als Symbol.
Ihre Schönheit wird vergehn,
UNS bleibt sie als Idol.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Samstag, 20. März 2010
Vom Erwachsenwerden
Wenn man erwachsen wird - rechtlich gesehen -, also wenn der 18. Geburtstag immer näher rückt, steht man plötzlich vor einem riesigen Problem. Ist man denn auch "erwachsen genug", um von heute auf morgen erwachsen zu sein? Ist man nicht viel zu kindlich und albert noch viel zu viel mit der besten Freundin herum? Ist man wirklich dazu in der Lage, ab jetzt sein Leben selber zu managen, alleine zurechtzukommen und für alle seine Fehler in eigener Person geradezustehen?
Man schämt sich regelrecht, weil man ja noch immer alberne Scherze macht, noch keine Beziehungen von existenzieller Wichtigkeit hatte, noch immer nicht einen Haushalt ohne fremde Hilfe organisieren könnte und noch bei viel zu vielen Dingen um Rat fragen muss. Man kommt sich vor wie ein kleines, unbeholfenes Küken. Vielleicht hat irgendwer schon mal etwas gesagt wie "Du kannst aber auch gar nicht mit Geld umgehen!!!"
Du hast zwar möglicherweise bereits konkrete Pläne bezüglich Ausbildung oder Studium. Vielleicht hast du sogar schon Aussicht auf eine Wohngemeinschaft mit Freunden, genug Geld von der Familie bereitgestellt bekommen oder sonst welche "Privilegien". Trotzdem hast du Angst, den Anforderungen, die die erwachsene Welt an dich stellen könnte, nicht zu genügen. Das Problem ist ja gerade, dass man nicht weiß, WELCHE Anforderungen auf einen zukommen. Man sieht, wie der Vater oder die Mutter ihre Finanzen regeln, Geld verdienen, Autofahren, Dinge reparieren, Geld überweisen, usw. Das würde man auch gerne so souverän und routiniert können, manches davon hat man aber noch nicht einmal gemacht. Geld verdienen und Autofahren ist wahrscheinlich gar nicht mal das Ding, denn mit (fast) 18 Jahren hat man in der Regel bereits gearbeitet und steht kurz davor, den Führerschein zu absolvieren.
Die Vorstellung, das, was Erwachsene tun, sei immer und überall fundiert und richtig, steckt irgendwie doch in einem drin, und man ist überfordert, weil man von jetzt auf gleich all das auch können soll - zumindest DENKT man, es würde von einem erwartet. Vielleicht ist diese Volljährigkeit doch keine dermaßen große Herausforderung, zumindest hoffe ich das. In gut drei Monaten ist es schließlich schon soweit, und das macht mir mehr Angst und Sorgen, als mir lieb ist.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Man schämt sich regelrecht, weil man ja noch immer alberne Scherze macht, noch keine Beziehungen von existenzieller Wichtigkeit hatte, noch immer nicht einen Haushalt ohne fremde Hilfe organisieren könnte und noch bei viel zu vielen Dingen um Rat fragen muss. Man kommt sich vor wie ein kleines, unbeholfenes Küken. Vielleicht hat irgendwer schon mal etwas gesagt wie "Du kannst aber auch gar nicht mit Geld umgehen!!!"
Du hast zwar möglicherweise bereits konkrete Pläne bezüglich Ausbildung oder Studium. Vielleicht hast du sogar schon Aussicht auf eine Wohngemeinschaft mit Freunden, genug Geld von der Familie bereitgestellt bekommen oder sonst welche "Privilegien". Trotzdem hast du Angst, den Anforderungen, die die erwachsene Welt an dich stellen könnte, nicht zu genügen. Das Problem ist ja gerade, dass man nicht weiß, WELCHE Anforderungen auf einen zukommen. Man sieht, wie der Vater oder die Mutter ihre Finanzen regeln, Geld verdienen, Autofahren, Dinge reparieren, Geld überweisen, usw. Das würde man auch gerne so souverän und routiniert können, manches davon hat man aber noch nicht einmal gemacht. Geld verdienen und Autofahren ist wahrscheinlich gar nicht mal das Ding, denn mit (fast) 18 Jahren hat man in der Regel bereits gearbeitet und steht kurz davor, den Führerschein zu absolvieren.
Die Vorstellung, das, was Erwachsene tun, sei immer und überall fundiert und richtig, steckt irgendwie doch in einem drin, und man ist überfordert, weil man von jetzt auf gleich all das auch können soll - zumindest DENKT man, es würde von einem erwartet. Vielleicht ist diese Volljährigkeit doch keine dermaßen große Herausforderung, zumindest hoffe ich das. In gut drei Monaten ist es schließlich schon soweit, und das macht mir mehr Angst und Sorgen, als mir lieb ist.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Dienstag, 16. März 2010
"Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens" - Rainer Maria Rilke
Seit einiger Zeit lese ich viel von Rainer Maria Rilke, und deshalb möchte ich einige seiner meiner Meinung nach schönsten Gedichte vorstellen. Das Schöne an den Dingen, die er schreibt, ist ja gerade, dass unendlich viel Raum bleibt für Assoziationen und Ideen, was gemeint sein KÖNNTE. Das macht es zwar enorm schwierig, immer zu verstehen, was einem der Mann sagen will, aber es wäre ja auch langweilig, wenn die Botschaft allzu offensichtlich wäre. Vielleicht braucht auch gar nicht alles eine weltbewegende Moral zu vermitteln. Wie auch immer, los geht's:
AN DIE FRAU PRINZESSIN MADELEINE VOB BROGLIE
Wir SIND ja. Doch kaum anders als den Lämmern
gehn uns die Tage hin mit Flucht und Schein;
auch uns verlangt, sooft die Wiesen dämmern,
zurückzugehn. Doch treibt uns keiner ein.
Wir bleiben draußen Tag und Nacht und Tag.
Die Sonne tut uns wohl, uns schreckt der Regen;
wir dürfen aufstehn und uns niederlegen
und etwas mutig sein und etwas zag.
Nur manchmal, während wir so schmerzhaft reifen,
dass wir an diesem beinah sterben, dann:
formt sich aus allem, was wir nicht begreifen,
ein Angesicht und sieht uns strahlend an.
LIED
Du, der ich's nicht sage, dass ich bei Nacht
weinend liege,
deren Wesen mich müde macht
wie eine Wiege.
Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht
meinetwillen:
wie, wenn wir diese Pracht
ohne zu stillen
in uns ertrügen?
Sieh dir die Liebenden an,
wenn erst das Bekennen begann,
wie bald sie lügen.
Du machst mich allein. Dich einzig kann ich vertauschen.
Eine Weile bist du's, dann wieder ist es das Rauschen,
oder es ist ein Duft ohne Rest.
Ach, in den Armen hab ich sie alle verloren,
du nur, du wirst immer wieder geboren:
weil ich dich niemals anhielt, halt ich dich fest.
SPAZIERGANG
Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So fasst uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an -
und wandelt uns, auch wenn wir's nicht erreichen,
in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unser Zeichen...
Wir aber spüren nur den Gegenwind.
VERGÄNGLICHKEIT
Ach, wie ihr heimlich vergeht!
Wer hat es verstanden,
dass ihr den Nachen gedreht
ohne zu landen?
Keiner erfasst es. Wo singt
rühmend ein Mund?
Alles vertaucht und ertrinkt,
drängt sich am Grund.
Drüberhin treibt uns der Schwung,
wie das Gefäll ihn leiht...
Nicht mal zur Spiegelung
bleibt uns Zeit.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
AN DIE FRAU PRINZESSIN MADELEINE VOB BROGLIE
Wir SIND ja. Doch kaum anders als den Lämmern
gehn uns die Tage hin mit Flucht und Schein;
auch uns verlangt, sooft die Wiesen dämmern,
zurückzugehn. Doch treibt uns keiner ein.
Wir bleiben draußen Tag und Nacht und Tag.
Die Sonne tut uns wohl, uns schreckt der Regen;
wir dürfen aufstehn und uns niederlegen
und etwas mutig sein und etwas zag.
Nur manchmal, während wir so schmerzhaft reifen,
dass wir an diesem beinah sterben, dann:
formt sich aus allem, was wir nicht begreifen,
ein Angesicht und sieht uns strahlend an.
LIED
Du, der ich's nicht sage, dass ich bei Nacht
weinend liege,
deren Wesen mich müde macht
wie eine Wiege.
Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht
meinetwillen:
wie, wenn wir diese Pracht
ohne zu stillen
in uns ertrügen?
Sieh dir die Liebenden an,
wenn erst das Bekennen begann,
wie bald sie lügen.
Du machst mich allein. Dich einzig kann ich vertauschen.
Eine Weile bist du's, dann wieder ist es das Rauschen,
oder es ist ein Duft ohne Rest.
Ach, in den Armen hab ich sie alle verloren,
du nur, du wirst immer wieder geboren:
weil ich dich niemals anhielt, halt ich dich fest.
SPAZIERGANG
Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So fasst uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an -
und wandelt uns, auch wenn wir's nicht erreichen,
in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unser Zeichen...
Wir aber spüren nur den Gegenwind.
VERGÄNGLICHKEIT
Ach, wie ihr heimlich vergeht!
Wer hat es verstanden,
dass ihr den Nachen gedreht
ohne zu landen?
Keiner erfasst es. Wo singt
rühmend ein Mund?
Alles vertaucht und ertrinkt,
drängt sich am Grund.
Drüberhin treibt uns der Schwung,
wie das Gefäll ihn leiht...
Nicht mal zur Spiegelung
bleibt uns Zeit.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Dienstag, 9. Februar 2010
Wie wird man eigentlich obdachlos?
Schon mal einen stinkenden, ungepflegten, im Müll wühlenden Obdachlosen gesehen? Klar, das hat doch jeder. Aber hast du schon mal darüber nachgedacht, wie man "Penner" wird? Was muss im Leben eines Menschen geschehen, damit er sich selbsttätig zum totalen Randgruppenmitglied degradiert? Dass Obdachlose gesellschaftlich nicht akzeptiert sind, ist ja allgemein bekannt.
Heute z. B. war ich mit meinem Kumpel unterwegs, irgendwo um den Leonrodplatz herum, und neben dem Kiosk an der Kreuzung schlurfte ein Obdachloser entlang, mit riesigem, abgewetztem Bergsteigerrucksack auf dem Rücken, altem Schlapphut und noch älterem Mantel, dazu noch abgetragene Schuhe und ungestutzter Bart. Das Alter war nicht festzustellen, auch aus der Nähe nicht. Mein Kumpel sagte jedenfalls beim Anblick dieses Menschen so etwas wie: "Den seh ich immer, wenn ich hier umsteige", und zog ein leicht angeekeltes Gesicht.
Sonst ist er ja nicht so, aber was DIESE Gesellschaftsschicht angeht, scheint nahezu jeder hauptsächlich negative Assoziationen zu haben. Okay, das ist auch zu verstehen. Es ist wirklich nicht besonders appetitlich, einen ungewaschenen, ungepflegten Menschen in ungewaschenen, ungepflegten Klamotten vor sich zu haben, der wie ein Straßenköter nach weggeworfenen Wurststullen kramt. Ist doch klar, dass man sich angeekelt abwendet. Nur - ist diese Einstellung moralisch richtig? Wäre es nicht viel moralischer, auf das menschliche Wrack zuzugehen, ihn auf einen Kaffee einzuladen und ordentliche Kleidung sowie ein Hotelzimmer für ein, zwei Nächte zu organisieren? Das klingt vielleicht übertrieben, aber hier geht es um die Einstellung.
Jeder kann auf der Straße landen, auch Oberstudienrat Max Mustermann oder Karla Huber vom örtlichen Finanzamt oder Lottomillionär Hubert schmollke. Warum nicht auch DU? Bist du dir sicher, dass du NICHT den Boden unter Füßen verlieren würdest, wenn dein bester Freund stürbe oder deine Freundin dich verließe oder du deinen Job oder deine Ausbildungsstelle verlörst oder deine Freunde dich im Stich ließen oder deine Familie dich verstieße? Woher willst du wissen, dass du nicht in die Drogenszene abrutschen oder die Welt um dich herum vergessen würdest?
Stell dir vor, du hast deine große Liebe geheiratet. Deine Frau und du, ihr erwartet Nachwuchs, die Geburt naht, du fährst sie ins Krankenhaus. Es ist eine schwere Geburt, es steht auf Messers Schneide - und möglicherweise sterben Mutter und Kind. Du bist komplett fertig mit der Welt und - wer weiß - vielleicht schneit auch noch ein paar Wochen oder Monate später die Kündigung ins Haus. Irgendwann kannst du deine Miete nicht mehr bezahlen oder hast nicht mehr die Motivation dazu. Du wirst vor die Tür gesetzt, du weißt eventuell nicht wohin. Aber im Grunde ist dir das alles ohnehin egal, dein Leben hat mittlerweile ja längst jeden Sinn und Zweck verloren. Dann bist du selbst einer, auf den "anständige" Leute mit ihren Fingern zeigen und über den sie sagen: "ich kann ihn ja irgendwie verstehen, aber ICH hätte es in seiner Lage ja GANZ anders gemacht!".
Es kann JEDEN treffen. Absolut jeden. Viele Obdachlose waren davor Professoren, hochrangige Beamte und Ähnliches. Man sollte nicht über den Lebenswandel anderer urteilen, wenn man nicht ihre Geschichte kennt und die Gründe, warum sie jetzt so sind, wie sie sind. Auch wenn du kein Penner bist, sind mit Sicherheit nicht alle deine Mitmenschen von dir angetan. Missverstanden und falsch eingeschätzt zu werden ist scheinbar eine normale Sache.
ALSO: auch Obdachlose sind Menschen wie du und ich. Weil wir alle gleichwertig sind, ganz egal, was wir tun, denken und sagen.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Heute z. B. war ich mit meinem Kumpel unterwegs, irgendwo um den Leonrodplatz herum, und neben dem Kiosk an der Kreuzung schlurfte ein Obdachloser entlang, mit riesigem, abgewetztem Bergsteigerrucksack auf dem Rücken, altem Schlapphut und noch älterem Mantel, dazu noch abgetragene Schuhe und ungestutzter Bart. Das Alter war nicht festzustellen, auch aus der Nähe nicht. Mein Kumpel sagte jedenfalls beim Anblick dieses Menschen so etwas wie: "Den seh ich immer, wenn ich hier umsteige", und zog ein leicht angeekeltes Gesicht.
Sonst ist er ja nicht so, aber was DIESE Gesellschaftsschicht angeht, scheint nahezu jeder hauptsächlich negative Assoziationen zu haben. Okay, das ist auch zu verstehen. Es ist wirklich nicht besonders appetitlich, einen ungewaschenen, ungepflegten Menschen in ungewaschenen, ungepflegten Klamotten vor sich zu haben, der wie ein Straßenköter nach weggeworfenen Wurststullen kramt. Ist doch klar, dass man sich angeekelt abwendet. Nur - ist diese Einstellung moralisch richtig? Wäre es nicht viel moralischer, auf das menschliche Wrack zuzugehen, ihn auf einen Kaffee einzuladen und ordentliche Kleidung sowie ein Hotelzimmer für ein, zwei Nächte zu organisieren? Das klingt vielleicht übertrieben, aber hier geht es um die Einstellung.
Jeder kann auf der Straße landen, auch Oberstudienrat Max Mustermann oder Karla Huber vom örtlichen Finanzamt oder Lottomillionär Hubert schmollke. Warum nicht auch DU? Bist du dir sicher, dass du NICHT den Boden unter Füßen verlieren würdest, wenn dein bester Freund stürbe oder deine Freundin dich verließe oder du deinen Job oder deine Ausbildungsstelle verlörst oder deine Freunde dich im Stich ließen oder deine Familie dich verstieße? Woher willst du wissen, dass du nicht in die Drogenszene abrutschen oder die Welt um dich herum vergessen würdest?
Stell dir vor, du hast deine große Liebe geheiratet. Deine Frau und du, ihr erwartet Nachwuchs, die Geburt naht, du fährst sie ins Krankenhaus. Es ist eine schwere Geburt, es steht auf Messers Schneide - und möglicherweise sterben Mutter und Kind. Du bist komplett fertig mit der Welt und - wer weiß - vielleicht schneit auch noch ein paar Wochen oder Monate später die Kündigung ins Haus. Irgendwann kannst du deine Miete nicht mehr bezahlen oder hast nicht mehr die Motivation dazu. Du wirst vor die Tür gesetzt, du weißt eventuell nicht wohin. Aber im Grunde ist dir das alles ohnehin egal, dein Leben hat mittlerweile ja längst jeden Sinn und Zweck verloren. Dann bist du selbst einer, auf den "anständige" Leute mit ihren Fingern zeigen und über den sie sagen: "ich kann ihn ja irgendwie verstehen, aber ICH hätte es in seiner Lage ja GANZ anders gemacht!".
Es kann JEDEN treffen. Absolut jeden. Viele Obdachlose waren davor Professoren, hochrangige Beamte und Ähnliches. Man sollte nicht über den Lebenswandel anderer urteilen, wenn man nicht ihre Geschichte kennt und die Gründe, warum sie jetzt so sind, wie sie sind. Auch wenn du kein Penner bist, sind mit Sicherheit nicht alle deine Mitmenschen von dir angetan. Missverstanden und falsch eingeschätzt zu werden ist scheinbar eine normale Sache.
ALSO: auch Obdachlose sind Menschen wie du und ich. Weil wir alle gleichwertig sind, ganz egal, was wir tun, denken und sagen.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Sonntag, 31. Januar 2010
Vom Lieben (bzw, was der Mensch darunter versteht)
Ich frage mich ernsthaft, was diese Ich-hab-dich-lieb-Sagerei zu jedem noch so flüchtigen Bekannten für einen Sinn haben soll! Ich meine, klar, zu meinen sehr engen Freunden sage oder schreibe ich das schon ab und an, aber nur, wenn der Augenblick ein besonderer ist und es auch zur Art der jeweiligen Person passt. Es gibt einfach Leute, bei denen mir im Traum nicht einfiele, "ich hab dich lieb" zu sagen, ganz gleich, wie dicke ich mit ihnen bin.
Wenn ich mir dann so ansehe, wie locker viele in meinem Alter (aber auch Ältere) mit dieser Bezeichnung umgehen, dann... Na ja, so verkommt diese eigentlich ziemlich rührende und tiefgehende Aussage doch zu einer bedeutungslosen Floskel. Jemanden liebzuhaben ist doch eine höhere emotionale Ebene als ein simples Mögen. Ich mag die Leutchens aus der Jugendgruppe, zu der ich jeden Freitag gehe. Ich mag die meisten Menschen aus dem Schachverein, den ich leider nicht mehr so oft wie früher besuche. Vielleicht mag ich sogar noch meinen ehemaligen Freund auf eine gewisse Weise. Was ich damit sagen will, ist, dass es streng genommen nicht viel heißt, jemanden zu mögen, weil es nicht weiter schwer fällt, jemanden, den man nicht richtig kennt, gern zu haben. Wenn man in einem Mitmenschen hingegen lesen kann wie in einem Buch, auch seine schlechten Eigenschaften kennt und akzeptieren gelernt hat, und ihn noch immer gern hat, dann beginnt für mich erst dieses Liebhaben. Und wenn man wirklich ehrlich gegenüber sich selbst wäre, würde man zugeben, dass man verdammt wenige Menschen wirklich von Grund auf kennt und durchschaut.
Mit dem Lieben ist es genau dasselbe. Leute verlieben sich, sind ein paar Wochen zusammen und reden gleich von Liebe. Wer weiß schon wirklich, was der Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit ist? Um einen Menschen gut genug kennenzulernen, um ihn "richtig" lieben zu können, müsste man ihn doch jahrelang zum platonischen Freund haben, das denke zumindest ich. Keine Ahnung, warum man trotzdem das Bedürfnis hat, sich selbst vorzugaukeln, man wüsste, was diese "Liebe" wirklich ist.
Ist es, wenn man ohne den anderen nicht mehr leben kann oder will? Das ist Hörigkeit, Abhängigkeit. Ist es, wenn man den anderen unter allen Umständen glücklich sehen will? Das kommt auch unter Freunden vor. Ist es, wenn man den anderen bewundert und verehrt und nicht mehr die Augen von ihm lassen kann? Das ist Vergötterung. Oder alles zusammen? Das ist nicht mehr gesund.
Wenn ich recht darüber nachdenke, ist das, was ich unter Liebe verstehe, sehr egoistisch. Man will den Partner ja "behalten", "besitzen", man will nicht, dass er anderen Frauen hinterherschaut. Wenn er krank ist, will man natürlich, dass er wieder gesund wird, aber warum? Damit er wieder voll und ganz für einen da ist und es EINEM SELBST gut geht. Dabei sollte Liebe doch selbstlos sein und keine Ansprüche stellen, die einem selbst zugute kämen. Vielleicht wissen ja die meisten Menschen nicht, was Liebe ist und verwenden den Begriff völlig falsch, weil es nur ein Wort für etwas ist, das man einfach nicht erfassen und begreifen kann.
Insofern sind meine Hausmiezen direkt zu beneiden, weil sie sich um so einen Kram gar nicht erst Gedanken zu machen brauchen.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Wenn ich mir dann so ansehe, wie locker viele in meinem Alter (aber auch Ältere) mit dieser Bezeichnung umgehen, dann... Na ja, so verkommt diese eigentlich ziemlich rührende und tiefgehende Aussage doch zu einer bedeutungslosen Floskel. Jemanden liebzuhaben ist doch eine höhere emotionale Ebene als ein simples Mögen. Ich mag die Leutchens aus der Jugendgruppe, zu der ich jeden Freitag gehe. Ich mag die meisten Menschen aus dem Schachverein, den ich leider nicht mehr so oft wie früher besuche. Vielleicht mag ich sogar noch meinen ehemaligen Freund auf eine gewisse Weise. Was ich damit sagen will, ist, dass es streng genommen nicht viel heißt, jemanden zu mögen, weil es nicht weiter schwer fällt, jemanden, den man nicht richtig kennt, gern zu haben. Wenn man in einem Mitmenschen hingegen lesen kann wie in einem Buch, auch seine schlechten Eigenschaften kennt und akzeptieren gelernt hat, und ihn noch immer gern hat, dann beginnt für mich erst dieses Liebhaben. Und wenn man wirklich ehrlich gegenüber sich selbst wäre, würde man zugeben, dass man verdammt wenige Menschen wirklich von Grund auf kennt und durchschaut.
Mit dem Lieben ist es genau dasselbe. Leute verlieben sich, sind ein paar Wochen zusammen und reden gleich von Liebe. Wer weiß schon wirklich, was der Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit ist? Um einen Menschen gut genug kennenzulernen, um ihn "richtig" lieben zu können, müsste man ihn doch jahrelang zum platonischen Freund haben, das denke zumindest ich. Keine Ahnung, warum man trotzdem das Bedürfnis hat, sich selbst vorzugaukeln, man wüsste, was diese "Liebe" wirklich ist.
Ist es, wenn man ohne den anderen nicht mehr leben kann oder will? Das ist Hörigkeit, Abhängigkeit. Ist es, wenn man den anderen unter allen Umständen glücklich sehen will? Das kommt auch unter Freunden vor. Ist es, wenn man den anderen bewundert und verehrt und nicht mehr die Augen von ihm lassen kann? Das ist Vergötterung. Oder alles zusammen? Das ist nicht mehr gesund.
Wenn ich recht darüber nachdenke, ist das, was ich unter Liebe verstehe, sehr egoistisch. Man will den Partner ja "behalten", "besitzen", man will nicht, dass er anderen Frauen hinterherschaut. Wenn er krank ist, will man natürlich, dass er wieder gesund wird, aber warum? Damit er wieder voll und ganz für einen da ist und es EINEM SELBST gut geht. Dabei sollte Liebe doch selbstlos sein und keine Ansprüche stellen, die einem selbst zugute kämen. Vielleicht wissen ja die meisten Menschen nicht, was Liebe ist und verwenden den Begriff völlig falsch, weil es nur ein Wort für etwas ist, das man einfach nicht erfassen und begreifen kann.
Insofern sind meine Hausmiezen direkt zu beneiden, weil sie sich um so einen Kram gar nicht erst Gedanken zu machen brauchen.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Donnerstag, 14. Januar 2010
"Herr der Fliegen" - William Golding
Darf ich vorstellen: mein neues Lieblingsbuch! =) Ich habe zu Weihnachten von meinen Eltern die englische Originalausgabe geschenkt bekommen und - wow! Ich bin kein Sprachexperte, aber die verwendeten Worte sind echt ausdrucksstark und von allen englischen Büchern, die ich bisher gelesen habe, ist dieses hier das beste. Die Sojabohne ist verliiieeebt. =)
Die Handlung ist in gewisser Weise grundböse. Also, ein Trupp englischer Schuljungen landen während einem Atomkrieg (oder so etwas in der Richtung) auf einer scheinbar unbewohnten Insel im Pazifik. Sie bestimmen einen Anführer, den sehr vernunftbegabten Ralph, und bilden eine Gruppe, die jagen soll, geführt von dem aggressiven Jack. Alles toll soweit, alle vertragen sich und halten täglich demokratische Versammlungen ab.
Aber mit der Zeit entfremden sich die Jungs in eine aggressive Jägerpartei und eine vernunftgesteuerte Partei, jeweils geführt von Ralph bzw. Jack. Es folgen eingebildete Monster, zwei nicht ganz versehentliche Morde und eine finale Hetzjagd auf die letzten Rebellen gegen die Jägertruppe, wobei bei der Gelegenheit mal eben die gesamte Insel in Brand gesteckt wird.
Ich weiß nicht, ob ihr "The Coral Island" kennt... Das ist ein Buch mit derselben Ausgangssituation, also einsame Insel usw. Hier allerdings handeln die Jungs uneigennützig und rücksichtsvoll, weil der Autor mit einem anderem Zeitgeist lebte. Damals war Großbritannien auf der Erfolgswelle, daher die Verherrlichung der "britischen" Ideale. Im Gegensatz dazu eskaliert die Situation in "Lord of the Flies" und die menschlichen Abgründe tun sich gnadenlos auf.
Ein Grundmotiv ist der tote Pilot, dessen Leiche im Wind hin- und hergetrieben wird und von allen für das Monster gehalten wird. Die Truppe um Jack bringt diesem Monster sogar ein Opfer dar, den Kopf eines erjagten Schweines, den "Lord of the Flies", wie es im Buch heißt. Man muss sich das so vorstellen, dass da ein Pflock mit einem verwesenden, von Fliegen umschwirrten und bekrabbelten Schweinekopf in der Erde steckt und hämisch grinst. Simon, der Philopsoph unter den Kindern, den keiner versteht, empfängt im Fieberwahn von diesem Saukopf die Botschaft, dass das Böse im Menschen für die Eskalation der Lage verantwortlich ist. Die Metapher passt, da "Herr der Fliegen" ein anderer Name des Teufels ist, und der Satan steht für das Böse. Wie auch immer, Simon enthüllt das Geheimnis, dass es kein Monster gibt, will Jacks Truppe aufklären - und wird selbst für das Viech gehalten und getötet.
Am Ende werden die gerade mal 6 - 12jährigen von einigen Militärs gefunden und "gerettet". Die Frage ist allerdings, ob das denn wirklich die Rettung ist, denn im Prinzip haben die Kinder ja nichts anderes getan als die Erwachsenen auch, nur eben in einem kleineren Rahmen. Krieg bleibt Krieg, ganz gleich, wer ihn führt.
Mehr will ich aber nicht verraten, nur so viel: es ist wirklich ein fantastisches Buch! Sehr gesellschaftskritisch, schonungslos und mit sehr interessanten Charakteren. Vor allem Jack, Piggy und Simon, Ralph ist eher langweilig, wie ich finde. Er ist doch im Grunde sehr gewöhnlich und richtet sich im Zweifelsfall bis zu einem gewissen Grad lieber nach der Meinung der Masse, statt sich dagegen zu stellen. So meidet er den unbeliebten Piggy konsequent, solange er nicht auf ihn angewiesen ist, als er jedoch sein einziger Verbündeter ist, bezeichnet Ralph ihn plötzlich als seinen Freund.
Piggy ist aber auch kein Engel, denn er verleugnet die offensichtliche Tatsache, dass Simons Tod eine Gewalttat war, kein Unfall. Er kommt jedoch nicht damit zurecht und bricht mit seinen eigenen Prinzipien, wonach Dinge immer als das gehandelt werden sollten, was sie sind.
Simon... Ja, Simon ist ein wahrer Heiliger. Er handelt komplett uneigennützig und zeigt keine Furcht bzw. empfindet keine. Er hilft den Kleineren und Schwächeren, birgt in sich keine "bösen" und tierischen Seiten, erkennt die Dinge, wie sie in ihrem tiefsten Innersten beschaffen sind, und er sieht seine Krankheit (Epilepsie) nicht als Hindernis, sondern überwindet immer wieder seine Grenzen. Er ist immerzu damit beschäftigt, an sich selbst zu arbeiten. Er ist der helle Wahnsinn, und dafür bezahlt er mit dem Leben. Tragische Sache. =(
Also, Leute, unbedingt lesen! =)
In diesem Sinne,
die begeisterte Sojabohne.
Die Handlung ist in gewisser Weise grundböse. Also, ein Trupp englischer Schuljungen landen während einem Atomkrieg (oder so etwas in der Richtung) auf einer scheinbar unbewohnten Insel im Pazifik. Sie bestimmen einen Anführer, den sehr vernunftbegabten Ralph, und bilden eine Gruppe, die jagen soll, geführt von dem aggressiven Jack. Alles toll soweit, alle vertragen sich und halten täglich demokratische Versammlungen ab.
Aber mit der Zeit entfremden sich die Jungs in eine aggressive Jägerpartei und eine vernunftgesteuerte Partei, jeweils geführt von Ralph bzw. Jack. Es folgen eingebildete Monster, zwei nicht ganz versehentliche Morde und eine finale Hetzjagd auf die letzten Rebellen gegen die Jägertruppe, wobei bei der Gelegenheit mal eben die gesamte Insel in Brand gesteckt wird.
Ich weiß nicht, ob ihr "The Coral Island" kennt... Das ist ein Buch mit derselben Ausgangssituation, also einsame Insel usw. Hier allerdings handeln die Jungs uneigennützig und rücksichtsvoll, weil der Autor mit einem anderem Zeitgeist lebte. Damals war Großbritannien auf der Erfolgswelle, daher die Verherrlichung der "britischen" Ideale. Im Gegensatz dazu eskaliert die Situation in "Lord of the Flies" und die menschlichen Abgründe tun sich gnadenlos auf.
Ein Grundmotiv ist der tote Pilot, dessen Leiche im Wind hin- und hergetrieben wird und von allen für das Monster gehalten wird. Die Truppe um Jack bringt diesem Monster sogar ein Opfer dar, den Kopf eines erjagten Schweines, den "Lord of the Flies", wie es im Buch heißt. Man muss sich das so vorstellen, dass da ein Pflock mit einem verwesenden, von Fliegen umschwirrten und bekrabbelten Schweinekopf in der Erde steckt und hämisch grinst. Simon, der Philopsoph unter den Kindern, den keiner versteht, empfängt im Fieberwahn von diesem Saukopf die Botschaft, dass das Böse im Menschen für die Eskalation der Lage verantwortlich ist. Die Metapher passt, da "Herr der Fliegen" ein anderer Name des Teufels ist, und der Satan steht für das Böse. Wie auch immer, Simon enthüllt das Geheimnis, dass es kein Monster gibt, will Jacks Truppe aufklären - und wird selbst für das Viech gehalten und getötet.
Am Ende werden die gerade mal 6 - 12jährigen von einigen Militärs gefunden und "gerettet". Die Frage ist allerdings, ob das denn wirklich die Rettung ist, denn im Prinzip haben die Kinder ja nichts anderes getan als die Erwachsenen auch, nur eben in einem kleineren Rahmen. Krieg bleibt Krieg, ganz gleich, wer ihn führt.
Mehr will ich aber nicht verraten, nur so viel: es ist wirklich ein fantastisches Buch! Sehr gesellschaftskritisch, schonungslos und mit sehr interessanten Charakteren. Vor allem Jack, Piggy und Simon, Ralph ist eher langweilig, wie ich finde. Er ist doch im Grunde sehr gewöhnlich und richtet sich im Zweifelsfall bis zu einem gewissen Grad lieber nach der Meinung der Masse, statt sich dagegen zu stellen. So meidet er den unbeliebten Piggy konsequent, solange er nicht auf ihn angewiesen ist, als er jedoch sein einziger Verbündeter ist, bezeichnet Ralph ihn plötzlich als seinen Freund.
Piggy ist aber auch kein Engel, denn er verleugnet die offensichtliche Tatsache, dass Simons Tod eine Gewalttat war, kein Unfall. Er kommt jedoch nicht damit zurecht und bricht mit seinen eigenen Prinzipien, wonach Dinge immer als das gehandelt werden sollten, was sie sind.
Simon... Ja, Simon ist ein wahrer Heiliger. Er handelt komplett uneigennützig und zeigt keine Furcht bzw. empfindet keine. Er hilft den Kleineren und Schwächeren, birgt in sich keine "bösen" und tierischen Seiten, erkennt die Dinge, wie sie in ihrem tiefsten Innersten beschaffen sind, und er sieht seine Krankheit (Epilepsie) nicht als Hindernis, sondern überwindet immer wieder seine Grenzen. Er ist immerzu damit beschäftigt, an sich selbst zu arbeiten. Er ist der helle Wahnsinn, und dafür bezahlt er mit dem Leben. Tragische Sache. =(
Also, Leute, unbedingt lesen! =)
In diesem Sinne,
die begeisterte Sojabohne.
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