Dienstag, 11. August 2009

"Der Besuch der alten Dame" - Friedrich Dürrenmatt

Gestern habe ich beim längst fälligen Aufräumen ein Buch wiedergefunden, das ich vor einigen Jahren für die Schule lesen musste: "Der Besuch der alten Dame" von Dürrenmatt. Eigentlich ist es ja eine Frechheit, dass ich "musste" schreibe, aber damals hatte ich eben keinen Sinn dafür. Was wirklich schade ist, denn jetzt finde ich das Buch klasse.

Erst einmal zur Inhaltsangabe: Eine alte Milliardärin kehrt nach ca. 40 Jahren in ihr mittlerweile verarmtes Heimatstädtchen Güllen zurück. Die gesamte Gemeinde hofft natürlich auf eine großzügige Spende, also wird Alfred Ill vorgeschickt, mit dem die Dame - sie heißt Claire Zachanassian - in ihrer Jugend zusammen war. Sie bringt auch einen schwarzen Panther mit - das war auch ihr Kosename für Ill - und einen Sarg. Schließlich kommt heraus, dass die damalige Klara Wäscher von Alfred Ill schwanger war, dieser jedoch zwei seiner Freunde bestach, damit diese vor Gericht eine Falschaussage machten. Klara wurde als Hure abgestempelt, die mit jedem geschlafen habe, und verließ mittellos die Stadt. Ihre Tochter starb schon nach kurzer Zeit und sie landete in einem Bordell, wo sie ein reicher Ölmillionär namens Zachanassian fand und später auch heiratete. Bei einem Unfall wurde sie schwer verletzt und besteht nun fast nur noch aus Prothesen. Seit dem Tod ihres Mannes wechselt sie ihre Ehemänner jedenfalls regelmäßig. Diesen "Jugendstreich" hat sie Alfred aber nie verziehen und deshalb bietet sie den Güllenern eine Milliarde für seine Ermordung. Zunächst stehen alle Bürger zu ihm, aber allmählich kaufen sie immer mehr auf Pump und sympathisieren mehr und mehr mit ihrem "Klärchen". Ill sucht anfangs verzweifelt Hilfe bei der Polizei und beim Bürgermeister, wird aber jedesmal abgewiesen und für undankbar erklärt. Schließlich gibt er frustriert auf und verabschiedet sich von seiner Familie, bevor er gemäß dem Beschluss des Gemeinderats getötet wird. Der Arzt stellt Herzschlag fest und die Milliardärin nimmt den nun gefüllten Sarg mit nach Capri, wo er in einem eigens dafür erbauten Mausoleum beigesetzt wird.

Ich gebe zu, diese Beschreibung ist ziemlich kurz und ungenau, aber alle Details kann man schlecht aufzählen und letztlich sollt ihr euch ja auch motiviert fühlen, das Buch ebenfalls zu lesen. ;-)

Im Prinzip geht es um das Motiv der Rache. Ein junges Mädchen wurde hochschwanger ins Elend gestürzt und will jetzt Genugtuung. Ob es ihr danach besser geht, bleibt offen, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Was bringt es einem denn, wenn der Mensch, den man hasst, stirbt oder leidet? Vielleicht genießt man für einen kurzen Augenblick das Gefühl der Macht über diese Person, aber langfristig bringt es einen doch nicht weiter. So viel zum tragischen Teil.

Dürrenmatt bezeichnete sein Stück aber als tragische Komödie, folglich muss es auch eine komische Thematik geben. In diesem Fall ist es die Bestechlichkeit der Menschen: Am Anfang sind die Güllener noch rechtschaffene, ehrliche Leute, aber am Ende gerät ihr Gerechtigkeitssinn zu hohler Phrasendrescherei. Obwohl sie anfangs noch empört über den Vorschlag der alten Dame sind und ihn vehement von sich weisen, führen sie ihn am Ende doch aus und versuchen, ihn mit angeblichem Gerechtigkeitssinn zu rechtfertigen.

Insgesamt kann ich dieses Buch natürlich nur weiterempfehlen, sonst würde ich gar nicht darüber schreiben. Wenn ich von schlechten Dingen berichten wollte, wäre es passender, sich bei der Tagesschau zu bewerben.

In diesem Sinne,
die Sojabohne.

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