Mit dem Stolz ist das immer so eine Sache. Manche haben zu viel davon, manche zu wenig, und die wenigsten verfügen über das richtige Maß. Zu meiner Schande muss ich ehrlich zugeben, dass ich zur ersten Sorte gehöre.
Daraus ergibt sich klarerweise die Frage: Wie viel Stolz ist gesund? Dabei muss man natürlich genau differenzieren, von welchem Lebensbereich man ausgeht. Nehmen wir einmal das Beispiel eines Familientreffens: Stell dir vor, du kannst den Großteil ihrer Familie nicht ausstehen und überlegst dir, wen du zu deinem Geburtstag einladen sollst. Nun gibt es auf den ersten Blick zwei Möglichkeiten; Zunächst einmal kannst du einfach alle einladen, denn das "gehört sich ja so". Oder - du lädst nur die ein, mit denen du zurechtkommst, auch wenn du am Ende nur mit fünf oder sechs Leuten feierst. Wenn du sehr stolz bist, wirst du auf Schmierentheater natürlich keine Lust haben und dich klar für die zweite Variante entscheiden. Und wenn nicht - na ja, es gibt ja noch die erste Möglichkeit. Wirklich ideal sind aber beide Szenarien nicht. Wenn du also Streit vermeiden UND nicht deinen Stolz verletzen willst, solltest du unauffällig dafür sorgen, dass unliebsame Gäste es weder zeitlich noch ortstechnisch einrichten können, zu erscheinen. Ob das den persönlichen Stolz nicht doch verletzt, hängt natürlich davon ab, wie viel Wert du auf direkte Meinungsäußerung legst.
Ich denke, an diesem Beispiel merkt man schon, wie schwer es ist, zu definieren, wie stolz man sein sollte. Schließlich spielen hierbei auch so einige weitere Faktoren eine große Rolle, die den Charakter einer Person betreffen. Zudem MUSS man manchmal auch Kompromisse machen, denn ohne Kompromisse kann kein menschliches Zusammenleben auf Dauer funktionieren. Zu viel Anspruch an sich selbst kann auch Chancen verbauen, z. B., wenn man sich in Bezug auf Hilfsangebote ziert.
Kurz gesagt: Zu viel Stolz ist definitiv ungesund, aber es ist auch verdammt schwer, festzulegen, wie viel denn nun zu viel ist.
Natürlich ist Stolz nicht nur eine Charakterfrage. Schließlich hängt es auch davon ab, wie nötig du etwas hast und wie hohe Ansprüche du an deine Umwelt und dich selbst stellst. Negativbeispiele kennt mit Sicherheit jeder: Menschen, die sich mit ausnahmslos jedem einlassen. Leute, die den Chef zuschleimen, um eine Beförderung zu ergattern. Und welche, die wirklich jeden Job annehmen, nur um überhaupt etwas Geld zu verdienen.
Freilich gibt es auch Situationen, wo man den Stolz zurückstellen sollte, weil es um etwas Größeres, Wichtigeres geht. Am gesündesten ist es wahrscheinlich, wenn man abschätzen kann, wann es Zeit ist, Profil zu zeigen und wann nicht. Dass das nur die Wenigsten können, liegt wohl daran, dass viele zu viel Angst haben, ihre Umwelt zu verärgern. Oder aber man hat Angst davor, unterschätzt und untergebuttert zu werden.
Erreiche, dass ein Mensch Angst vor etwas hat, und du kannst ihn führen wie eine Marionette. Er wird hohe Summen zahlen und überhaupt so ziemlich alles tun, damit er nichts mehr zu befürchten braucht. Dieses Prinzip ist im Grunde auf alles anwendbar. Warum haben in den Zeiten der Hexenverfolgungen Leute ihre Freunde und Nachbarn angezeigt? Warum haben unheimlich viele Gläubige von ihren Ersparnissen Ablassbriefe gekauft? Mache der Masse Angst, und sie gehorcht dir wie ein dressierter Affe. Trotzdem ist Angst natürlich eine wichtige Sache, denn wenn sich die Menschheit vor nichts fürchten würde, bräche mit Sicherheit Anarchie aus.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Freitag, 31. Juli 2009
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