Heute ist einer der Tage, an denen frau sich Gedanken über die realitätfernsten Dinge macht, die es überhaupt geben kann. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn im Prinzip ist doch nichts realitätsferner als das "wahre" Leben. Klingt unlogisch, ich weiß. Aber irgendwie ist es doch so.
Warum sehen denn für uns die uns umgebenden Dinge so aus, wie sie aussehen? Weil unsere Augen uns sagen "Das ist grün", "Das ist schön" und dergleichen. Und weil wir zu wissen glauben, dass unsere Umgebung wirklich grün, schön oder was auch immer ist, fühlt sie sich auch grün oder schön an. Ein Wesen von ganz woanders hat vielleicht andere Augen. Was, wenn unser fremdes Wesen dieselbe Umwelt nicht grün und schön, sondern gelb und hässlich sieht? Würde es sich für dieses Wesen dann nicht auch gelb und hässlich anfühlen?
Wenn aber jedes Wesen anders sieht und somit auch anders fühlt, wie sehen die Dinge, die uns umgeben, dann wirklich aus? Wie fühlen sie sich wirklich an? Welche Form haben sie wirklich? Vielleicht ist diese Frage auch gar nicht weiter wichtig. Das hängt ja auch von der Perspektive ab, von der aus man die Welt betrachtet. Da gibt es zunächst mal den "gesellschaftlichen Blickwinkel", soll heißen, den, den wir Menschen haben. Wir betrachten unsere Umwelt nach den Maßstäben unseres sozialen Zusammenlebens und sind quasi auf Augenhöhe mit dem Universum, eben weil wir es nicht als übergeordneten Faktor wahrnehmen. Der zweite Blickwinkel ist der universelle. Das heißt, wir schauen losgelöst von unseren irdischen Bedürfnissen auf unseren blauen Planeten und stellen Grundsätze auf, die wir, sobald uns der Alltag einholt, weder befolgen noch nachvollziehen können.
Wenn ich mir also vom universellen Standpunkt unsere Frage des Tages betrachte, scheint mir die Frage nach Realität und Illusion plötzlich so nichtig wie nur was. Denn was zählt Realität im globalen Maßstab? Was zählt es, ob eine winzige Menschenameise auf der Erde nun sieht, was da ist, oder sieht, was so ähnlich ist wie das Vorhandene? Im gesellschaftlichen Modus ist das natürlich genau umgekehrt, weil einem da der (einzelne) Mensch wichtiger vorkommt als das allgemeine Ganze.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich oder du oder er oder sie oder wir - niemand kann beweisen, dass alles um uns herum so ist, wie es aussieht. Wobei noch die größte Frage von allen ist, ob das denn so furchtbar wissenswert ist. Mein Freund wird nicht hässlicher, meine Lieblingsfarbe nicht blasser, die Sonne nicht dunkler, nur weil ich nicht beweisen kann, dass mein Freund schön, meine Lieblingsfarbe grell und die Sonne hell ist.
In diesem Sinne,
die Sojabohne.
Donnerstag, 1. Oktober 2009
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